Gefühle verwalten für Anfänger

 

Du könntest von 0 auf 100 aus der Haut fahren und weißt oft gar nicht so genau, warum eigentlich?

Jemand löst in dir heftige Gefühle aus, indem er einen wunden Punkt berührt?

Gerade Kinder erreichen das manchmal schneller, als uns lieb ist, sei es durch quengeln, schreien, zappeln, ständig fragen und „stören“.

Wenn dich Eigenschaften an anderen Personen, oder deren Verhalten stark ärgern, dann deswegen, weil du damit in Resonanz gehst.

Das heißt, du wirst getriggert.

Ein Trigger ist ein sogenannter „Auslöser“.

Dein Kind schreit und bringt dich damit auf die Palme?

Ich durfte schon öfter Zeuge davon werden, dass in solchen Fällen einfach nur zurück geschrien wird, um Ärger und Frust ab zu bauen. Die Leidtragenden sind dabei aber immer unsere Kinder. Die wollten bloß Aufmerksamkeit und bekommen eine Ladung Wut, die sie gar nicht bestellt haben.

Ich will damit nicht sagen, dass wir jegliches Verhalten tolerieren müssen. Überhaupt nicht!

Aber ich will dir aufzeigen, warum DU dich über solches Verhalten ärgerst und wie du das ändern kannst.

Denn wenn du nämlich nicht getriggert wirst, kannst du gelassener mit deinem Kind umgehen. Wenn es 10 Minuten schreien möchte, weil es ihm gerade ein Bedürfnis ist, seine Wut und seinen Zorn heraus zu schreien, dann soll es das tun.  Es wird dich nicht in Rage bringen.

Und so geht’s:

Wenn bei dir Wut aufkommt, weil dein Kind etwas Bestimmtes tut, dann lass diese Wut einfach da sein. Versuche nicht, sie weg zu machen. Beobachte, ob du herausfinden kannst, warum es dich auf die Palme bringt.  Welches eigene, verdrängte Gefühl steckt dahinter?

Dieses von deinem Kind ausgelöste Gefühl ist nämlich deswegen da, weil du es selbst als Kind nicht ausleben durftest. Das hat dich tiefer verletzt, als dir bewusst ist. Vermutlich hat es auch bei dir immer geheißen: sei still, hör auf, mach das nicht, das tut man nicht usw.

  • Ist ja nicht so schlimm
  • das wird schon wieder
  • hör auf zu schreien
  • sei leise, gib Ruhe
  • ich hab jetzt keine Zeit

sind typische Aussagen von uns Eltern, die unsere Kinder dazu bringen, ihre Gefühle zu verdrängen!

Auch von mir kommen manchmal solche Aussagen, ohne es zu wollen.  Meist, wenn ich mit den Gedanken ganz woanders bin. Doch hast du dich schon mal gefragt, was diese „Herabwürdigung“ mit unseren Kindern eigentlich macht? Was vermitteln wir damit? Und wollen wir das wirklich?  Denk daran, wie es dir als Kind ergangen ist. Wenn du ehrlich bist zu dir selber, kannst du das folgende sicherlich nachvollziehen.

In solch einem Moment durftest du als Kind dein eigenes Gefühl nicht ausleben und hast an der Reaktion des Erwachsenen gelernt, dass negative Gefühle schlecht sind.

Der Frust und die Enttäuschung darüber ruhen dann quasi, bis sie schamlos aus dem Hinterhalt im Erwachsenenalter wieder zu schlagen können.

Wenn du also getriggert wirst, kommt dieses Gefühl, das du damals nicht akzeptiert hast, diese Ohnmacht und Hilflosigkeit darüber, wieder hervor.

Wie du das ändern kannst?

  • Gib deinem Gefühl die Aufmerksamkeit, welche es von Anfang an verdient hat! Lade es ein, lass es bei dir sein. Wenn ich dieses Gefühl spüre,  mach ich das immer mit den Worten:
  • „Hallo Angst (während ich symbolisch die Tür zu meinem Herzen öffne), schön, dass du da bist, komm rein, nimm dir ein paar Kekse und bleib solange du willst.“  Lass sie rein und beobachte sie. 
  • So kannst du dich mit deinen Gefühlen versöhnen. Sie werden gesehen, ihnen wird Aufmerksamkeit entgegengebracht und dann können sie sich auch verabschieden.

Du gibst ihnen sozusagen Flügel und lässt sie gehen. Dadurch wirst du freier sein in deinem Leben, und kannst den gewonnenen inneren Frieden auch im Außen leben. Du wirst ruhiger und entspannter mit deinen Kindern umgehen können.

Verdrängte Gefühle manifestieren sich sehr oft in körperlichem Schmerz. Auch deine z.B. Rückenschmerzen darfst du einladen, zu bleiben. Probiere mal, sie einfach anzunehmen und da sein zu lassen. Wir müssen nicht immer alles „wegmachen“. (Der Schmerz/die Geühle sind ja sowieso da, also kämpfe nicht dagegen, das kostet nur unnötig Energie!)

Anschließend darf sich das Gefühl/der Schmerz lösen. Es wird dir besser gehen. 100%ig.!

Gefühle zulassen
Gefühle zulassen

Trau dich, auch wenn du glaubst, dieser Prozess sei zu mächtig für dich.

Du kannst dir einfach vorstellen, dass dieses Gefühl ein Baby ist. Öffne dem Baby doch dir Tür! Ein Baby lässt man doch nicht unbeachtet draußen stehen, oder? Außerdem hat ein Baby noch Niemanden umgebracht.

Mach es für deine Kinder. Du kannst ihnen diese Methode erzählen. Es ist gut, wenn sie von klein auf lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen.

Robert Betz nennt diese Menschen, die dich triggern, übrigends Arschengel. Weil sie dir am Arsch gehen, in Wirklichkeit jedoch Engel für dich sind. Sie zeigen dir nämlich auf, dass in dir ein Gefühl steckt, das eben bejahend gefühlt werden möchte.

Ich hab dir hier den Vortrag von Robert Betz zu diesem wichtigen Thema verlinkt. Weil ich finde, dass es sich wesentlich glücklicher und leichter leben lässt, wenn frau um diesen Arschengel-Trigger-Umstand weiß! Viel Spaß damit!

 Deine

Kerstin samt Kids

 

 

Wie gehst du mit deinen Gefühlen um? Erzähl es mir, hinterlasse einen Kommentar, ich freue mich!

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Danke fürs Teilen!

4 thoughts on “Gefühle verwalten für Anfänger

  1. Olga says:

    Hallo Kerstin, ich habe zum folgendem Absatz eine Frage: „Wenn es 10 Minuten schreien möchte, weil es ihm gerade ein Bedürfnis ist, seine Wut und seinen Zorn heraus zu schreien, dann soll es das tun“
    Ich kann mein Kind nicht 10 min schreien lassen, weil ich denke, dass es mich und meine Aufmerksamkeit vielleicht in dem Moment braucht und ich es aber „ignoriere“. Ich finde es sehr schwierig zu erkennen ob mein Kind gerade seine Gefühle austobt oder nach Aufmerksamkeit sucht. Und wie kann ich meinem Kind beibringen gut mit der Wut umzugehen wenn ich es selbst nie gelernt habe und es sehr schwer kann? Vielleicht hast du ja einen Tipp.
    Liebe Grüße, Olga

    • kerstin says:

      Liebe Olga, danke für deinen Input!

      Das ist wahrlich nicht leicht, ich weiß ganz genau, wovon du redest. Auch ich lerne immer noch 🙂
      „Ignorieren“ würde ich ein Kind auf keinen Fall, denn es gibt ja immer einen Grund, warum sie toben. Da hast du völlig recht. Es fiel mir persönlich am Anfang sehr schwer, den Kindern beim „Schreien“ zuzuhören. Eben sie nicht zu ignorieren, aber auch nicht ständig in der Versuchung zu sein, sie abstellen zu wollen. Ich kenne sehr viele Eltern, die dem Kind das momentane Gefühl nicht zugestehen und versuchen, es sofort wegzumachen. Lassen wir ihnen ihre Gefühle doch einfach vorurteilsfrei. Aufmerksamkeit zu bekommen finde ich wichtig. Ich sehe ihnen dann dabei zu und ja, oft sage ich auch: „Du hast völlig recht, jetzt wütend zu sein.“ Ich pass dann einfach auf, dass sie niemand anders mit ihrem Gefühlsausbruch verletzen und gut ist es. Dabei bekommen sie natürlich Aufmerksamkeit und das finde ich auch wichtig.

      Ich biete meinen Kindern Alternativen an, ihre Wut abzubauen.

      Wir haben zB. eine Cajon (Trommel), wo die Wut rausgetrommelt werden kann.
      Einen Boxsack, wo sie ordentlich drauf schlagen können.
      Ringe, zum Turnen im Wohnzimmer.
      Manchmal biete ich ihnen auch eine Polster (Kopfkissen) an, auf das sie einschlagen können.

      Wichtig finde ich, ihnen vorher schon klar zu machen, dass wütend sein ganz normal ist. Sie dürfen wütend sein, das ist gut. Sie brauchen mit ihrer Wut nicht alleine zu sein. Allerdings dürfen sie niemanden verletzten, weder Mensch noch Tier. Denn das wäre unfair.
      Es gibt auch nette Bücher und Lieder… „Wo ist die Wut wenn ich wütend bin, vielleicht in meinen Händen?“ Schau mal hier: http://www.musicline.de/de/player_flash/9783491887817/0/8/50/product
      Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen!
      Liebe Grüße
      Kerstin

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