Ängste im Dschungel Thailands

Ich hatte ja schon in einem Artikel ganz großartig geschrieben, dass ich froh bin,mutig genug zu sein, um mich meinen Ängsten zu stellen und trotzdem zu reisen.  Oh ja, ich bin sooo mutig. Ich hab ne (gefühlte) Dschungeltour in Thailand gebucht, ohne zu wissen, was auf mich zu kommt. Klar hab ich mich informiert, über das Land, die Menschen, ihre Kultur und auch über die Tierwelt. Aber wenn man noch nie dort war, hat man schlichtweg keine Ahnung.

Zuhause hat mal jemand spaßhalber zu mir gesagt, dass dies dann wohl ein Therapieurlaub werden würde für mich. Da hab ich noch groß gelacht. Haha, wie haben wir da gelacht!

Jetzt sitze ich hier auf Koh Phangan und schlafe seit 4 Nächten so gut wie nicht. Ich bin gerädert, fertig, k.o., mit den Nerven am Ende und wünschte, ich hätte nie nie nie den Mut aufgebracht, hier her zu kommen.

Bangkok und Hua Hin waren ganz ok. Da gabs nichts Großartiges, was nicht gepasst hätte. Ein bisschen Stadt, anschließend ein bisschen Touristenstädtchen mit nettem Strand. Aber immer in einer sauberen Unterkunft, die ausschließt, dass jegliches Getier des Nächtens im Zimmer herum krabbelt.

Guter Schlaf ist nämlich lebenswichtig für mich. Wenn ich nicht schlafe, gehen meine Nerven mit mir durch. Dann kommt es zu Panikattacken, die ich eigentlich schon längst im Griff habe. Da bin ich den ganzen Tag schlecht drauf und zickig zu meinen Kindern, obwohl die das gar nicht verdient haben. Da ist dann nichts mit mir anzufangen, ich bin weinerlich und deprimiert oben drein. Ihr seht also, guter Schlaf ist Grundvoraussetzung für mein mutiges Leben.

Was also tun, wenn sich dieser beruhigende, erholsame Schlaf mitten im Dschungel einfach nicht einstellen will?

Wenn das Tent vor lauter Löchern den Namen Tent eigentlich gar nicht verdient? Wenn du nicht unterscheiden kannst, ob die Dschungelgeräusche von draußen oder drinnen kommen? Unbekannte Geräusche wecken mich jede Nacht sofort wieder, wenn ich nur ans einnicken denke. Lassen mich in die Höhe fahren, als ginge es um Leben oder Tod.  Haben wir uns die Ratte, die mir über die Füße lief, nur eingebildet? Denn wo ist sie hin? Raus konnte sie eigentlich nirgends, also muss sie noch da sein. Während ich sie akribisch mit der Taschenlampe im Tent suche, finde ich eine Spinne, die gut und gerne 10 cm Durchmesser hat unter meinem Bett. Sehr beruhigend, so gut bewacht zu werden.

Es ist zwei Uhr früh und ich zähle die Stunden bis es endlich hell wird. Lausche den Geräuschen draußen, höre Grillen heraus und das Heulen von Hunden. Vielleicht sind es aber auch Wölfe. Gibt es hier Wölfe?

Während ich warte bis die Zeit vergeht, frage ich mich ständig, wo mein Vertrauen geblieben ist. Es muss tatsächlich schon im Flugzeug zurückgeblieben sein, denn so recht hat es sich in Thailand noch nicht zu mir gesellt. Dann dürfte ich noch etwas Vertrauen im Nachtzug verloren haben, denn hier auf Koh Phangan polarisiert es sehr. Vertrauen, wo bist du? Ich brauche dich, bitte komm wieder zu mir. Ich liebe dich, ich kann ohne dich nicht leben.

Ohne dich, liebes Vertrauen, hab ich ständig Schiss, dass die nächstbeste, hochgiftige Schlange sich die Ratte aus meinem Tent in der Nacht holen wird.

Und dass sie dann nicht nur die Ratte, sondern auch eines meiner Kinder verspeist.

Und ich kann mich nicht mal anständig selbst beruhigen, wie ich es zuhause immer mache. Dort zieht der Spruch: „Es kann mich nicht umbringen“ sehr, denn keine meiner Ängste zuhause ist tatsächlich lebensgefährlich. Hier jedoch tue ich mir sehr schwer damit. Meine Angst vor Schlangen (in der Nacht) kann ich mir nicht kleinreden. Ich will nämlich nicht sterben. Vertrauen wo bist du! Ich brauche dich, ich kann ohne dich nicht leben!

Bitte komm zurück, ich möchte schlafen können, ohne ständig Fantasiebilder im Kopf von Schlangen im Zimmer zu haben. Im Moment kann ich vor lauter Angst nicht klar denken, deswegen sitze ich auch um halb drei Uhr in der Früh vorm Laptop und schreibe mir diese Zeilen von der Seele.

Ich hätte gehofft, mir käme die Lösung während des Schreibens. Kommt aber nicht. Bloß mein Zahn tut wieder weh, der, der ins ganze Kiefer ausstrahlt und immer dann schmerzt, wenn er mich erinnern möchte, nicht so verbissen zu sein.

Deine

Kerstin

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Danke fürs Teilen!

6 thoughts on “Ängste im Dschungel Thailands

  1. Liebe Kerstin, ich kenn das. Das mit den Panikattaken und das mit dem: es kann dich nicht umbringen. Ich kenn das sooo gut. Mir hilft es mittlerweile, wenn ich einfach „aufgebe“, wenn ich mich frage: wie oft sind meine Ängste bis jetzt Realität geworden? Will ich mir ein weiteres schönes Erlebnis im Leben durch meine Angst nehmen lassen? Und dann lass ich mich einfach fallen und versuche keinen „Widerstand“ mehr zu leisten…und wenns gar nicht geht, dann lass Ichs bleiben. Also, wenn es nicht geht, dann lass es, man muss nicht alles durchstehen…und das ist meine letzte „Geheimwaffe“, mir zu sagen: gar nichts muss ich….LG Claudia

    • kerstin says:

      wow… Danke schön für deine Nachricht. Du hast ja so recht! Will ich mir das wirklich kaputt machen lassen von so einer blöden Angst? Nein sag ich dir, obwohl wir doch heute nach einer anderen Bleibe gesucht haben. Bis jetzt hat sich aber noch nichts ergeben 🙂
      Ich hab mir deine Seite angesehen, gar nicht weit weg von euch bin ich aufgewachsen. Vielleicht kommen wir euch mal besuchen, ich mag, was ihr tut. Außerdem haben wir auch einen braunen Labi 🙂

  2. Also ganz ehrlich hilft da meines achtens ein richtiger Bungalow aus Stein bei dem eben nicht jegliches Krabbeltier rein kann. Mit gutem Dach und Moskitonetzen an den Fenstern. Ist eben nicht Jedermanns Sache so wahnsinnig einfach zu schlafen. Ich mag das auch nicht, muss ja auch nicht. Folter dich doch nicht selbst sondern tu dir im Urlaub lieber was gutes.
    Viele Grüße
    Victoria

  3. Ich erinnere mich an unsere erste Nacht im Koh Jum. Bungalows mit Löcher im Boden, durch die fette Spinnen krabbelten, die Geckos versammelten sich n der Zimmerdecke und nachts tobten die Affen so laut auf unserem Dach, dass meine Tochter zurück nach Berlin wollte. Ich lag auch die ganze Nacht wach. Nach ein paar Nächten stellte sich mein guter Schlaf wieder ein, obwohl wir weiterhin Begegnungen mit Ratten, Spinnen und Affen hatten. Trotzdem habe ich die Rückkehr in die ‚Zivilisation‘ danach durchaus zu schätzen gewusst. Wenn Du dich nicht dort mehr entspannen kannst, dann ist es sicher besser, eine Alternative zu suchen. Hast du denn schon bezahlt?

    • kerstin says:

      Das kann ich gut verstehen 🙂 Man lernt zu schätzen, was man hat… meine Kinder wollen (leider) hier bleiben, sie wollen nicht mal 50 Meter weiter in einen Steinbungalow. Das liegt an den lieben Nachbarn und daran, dass ihnen die Tiere vollkommen egal sind. Die beiden schlafen ja gut!

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