Der Traum vom Reisen aus finanzieller Sicht

Ich sag´s mal vorsichtig, reisende Menschen sind sehr oft Menschen, die kaum materiellen Besitz haben. Diesen auch gar nicht möchten, weil er als Belastung empfunden wird. Er lenkt vom Wesentlichen ab und verhindert die Reise an sich schon sehr oft, aber auch unterwegs die Reise zu dir selbst. Will heißen, dass dich materieller Besitz ablenken kann und du damit kaum Zeit findest, dich intensiv mit dir selbst auseinander zu setzen.

Nun denken vielleicht manche, ha, das kann mir nicht passieren, ich hab ohnehin nicht viel. Dem möchte ich sanft widersprechen, denn die wenigsten Menschen in unseren Breiten haben tatsächlich so wenig, dass sie nichts davon weggeben könnten.

Das fängt bei den kleinsten Dingen an!

Wie viele Spielsachen kaufst du deinem Kind? Braucht es die wirklich alle? Spielt es regelmäßig mit ALLEM? Wenn du sie mal gekauft hast, hattest du damals das Geld dazu.

Wie viele Toilettartikel besitzt du? Diese Dinge sind sehr teuer und man braucht sie nicht zum Überleben. Statt Haarshampoo kann man ab und zu Limette reinmachen. Das ist ein Prozess, an den sich dein Körper erst gewöhnen muss, aber nach einiger Zeit funktioniert das sehr wohl. Ohne, dass man stinkt und ohne fettige Haare. Glaub mir, hab ich ausprobiert. Genauso mit Deo, Duschgel, Wattepads, Hygieneartikel (Stichwort: freie Menstruation, Menstasse) etc. Auch Hautcremes sind bei einer anständigen pflanzenbasierten Ernährung hinfällig. Sonnencreme ist giftiger als du dir vorstellen kannst. Einfach zur Mittagszeit nicht in die Sonne gehen, ist wesentlich billiger und gesünder.

Makeup verwende ich sowieso nicht.

Rasierklingen sind schweineteuer. Ganz ohne rasieren mag ich in Europa allerdings nicht. Stattdessen nehm ich den Haartrimmer meines Mannes (oder man könnte sich sowas einmal anschaffen, die Einmalkosten sind geringer als ständig Rasierklingen zu kaufen). Damit bin ich zwar nicht glatt, aber sehr eingekürzt und das reicht mir vollkommen. Ich brauch kaum noch was davon, spare damit jede Menge Geld und schone die Umwelt und meinen Körper gleichermaßen. Letztendlich ist es ja ohnehin nur Gift, das du an deinen Körper lässt.

Genauso spare ich mir den teuren Frisörbesuch. Statt Haarfarbe wie früher gibt es erste graue Ansätze und statt wegzufahren, kommt privat eine Frisörin, die uns allen vier die Haare schneidet. (Und das kostet immer noch nicht mal die Hälfte von dem, was ich früher für einen einzelnen Frisörbesuch mit Waschen/Schneiden/Färben/Strähnen/Föhnen bezahlt habe.)

Stichwort Kleidung: Sei mal ehrlich, wie sieht dein Kleiderschrank aus? Wie viele Teile hängen da drinnen? Laut einer Studie haben wir ja … Teile im Schrank hängen. Du könntest es aussortieren und verkaufen. Das bringt Geld, das du für Reisen zur Verfügung hast. Und dann vor allem: nichts mehr nachkaufen. Natürlich bin ich nicht mehr up to date. Meine Kleidung ist teilweise uralt, aber solange sie gut ist, kaufe ich keine Neue. Auch wenn das T-Shirt nur 3 € kostet, wenn ich eigentlich genug davon zuhause hab, sind die 3€ auch zu viel. (Früher hab ich so gern soo viel Gewand für die Kids gekauft. Diese süßen Kleidchen!!! Aber realistisch und vernünftig gesehen, sind auch die billigen Kleidchen zu teuer, weil sie nie ausgenützt werden können und ich hab sehr viele Teile weggeben, ohne dass die Kinder sie getragen hätten.)

Dasselbe gilt für die Wohnungsdekoration. Natürlich soll es nett und gemütlich aussehen, doch diese Dinge kann ich auch am (virtuellen) Flohmarkt kaufen, wenn ich sie denn wirklich brauche. Meist ist unser Lebensraum aber ohnehin zugemüllt. Kaufen ist also Luxus, den wir uns auch sparen können.

Materielle Dinge belasten. Zuerst müssen sie beschaffen werden, dh. ich muss wohin fahren um sie zu kaufen. Kostet Auto und Sprit. Dann muss ich sie bezahlen, um sie zuhause irgendwo hin zu räumen, wo sie im Standby-Modus vor sich her gammeln und auf ihren großen Auftritt warten, der womöglich gar nicht kommt. Dann liegt es herum, muss gepflegt werden, braucht manchmal Aufmerksamkeit (abstauben?) oder verhindert im Kasten, dass sich Ordnung ausbreiten kann, weil durch die vielen unnützen Artikel kaum Platz zum Ordnung halten da ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: Reisende Menschen sind Menschen, die sich das nicht antun. Wir haben die meiste Zeit nur das, was in den Rucksack am Rücken passt. Und wenn man monatelang mit diesen wenigen Dingen ausgekommen ist, erkennt man, dass man oft gar nicht mehr braucht.

Natürlich wäre es schön, das Eine oder Andere zu besitzen. (2 BMW in der Einfahrt des Architektenhauses mit Wahnsinnspool samt Straßenmaschine?)

Aber es ist nicht lebensnotwendig. Lebensnotwendig ist für mich die Reise. Also bin ich bereit, dafür zu sparen, mich zu reflektieren, was ich anders machen könnte, um zu dem Geld zu kommen, damit ich eine weitere Reise antreten kann und nicht nur stur zu behaupten: „Ja aber, ich brauch das … unbedingt.“ Ich verspreche dir, Nein du wirst nicht sterben, nur weil du die teure Hautcreme nicht mehr verwendest und du wirst auch nicht dran sterben, wenn du nicht alles hast, was auch der Nachbar hat.

Was mich dazu anregt, wieder einmal weiter zu reduzieren und eine neue Flohmarkt -Fuhre zusammen zu stellen.

Versteht mich nicht falsch. Natürlich mag ich die guten Düfte der Pflegeprodukte. Und natürlich mag ich hübsche Kleidung, für mich und noch mehr für die Kids.  Meinem Auto schicke ich tatsächlich liebevolle Gedanken, damit es weiterhin fährt, obwohl es schon deutlich zu verstehen gibt, dass es erledigt ist.

Aber Reisen ist eine Entscheidung. Wenn ich das wirklich will, dann finde ich Wege, die mir das ermöglichen. Und das erfordert nun mal Kompromisse. Denn die wenigsten Menschen können mit einem Hintern auf mehreren Kirtagen gleichzeitig sein. Will heißen, die wenigsten Menschen können zuhause alles so weiterlaufen lassen, wie sie es gewohnt sind und DARÜBER HINAUS noch reisen. Das ist aber das Bild, das viele im Kopf haben. Leider? stimmt das aber gar nicht, wie ich dir von meinem Leben hier berichten kann. Und da ich viele reisende Menschen kennen gelernt habe, kann ich dir versichern, dass das auch bei den anderen Menschen nicht viel anders ist. Fakt ist, dass du kreativ und hinterfragend werden musst, denn darin liegt die ganze Kraft, um Geld für Reisen zu lukrieren.  –  Du hast eine Wohnung oder ein Haus? Super! Vermiete es über Airbnb während du weg bist. Oder mach einen Haustausch! Damit hast du auch gleich jemanden, der sich um alles kümmert während du weg bist. Statt in Hotels zu wohnen, buche ich selbst gerne über Airbnb und wenn du länger bleibst, reduziert sich der Preis drastisch. Mehr als 400 Euro im Monat zahle ich sehr selten fürs Wohnen.

Also, lass dich inspirieren und schau mal objektiv drauf, was du eigentlich alles besitzt, was Luxus ist. Brauchst du dein Auto wirklich? Radfahren ist auch gesund 😊 Ein Roller kostet weniger als ein Auto und macht auch Spaß zum Fahren. Freilich kann man sich das nur mehr schwer vorstellen, aber wer wirklich das Geld sparen will, wird kreativ. Fahrgemeinschaften und Öffis lassen grüßen.

Sparen kannst du auch, indem du sehr auf deine Ernährung achtest. Wenn du keinen Garten hast, um dein Essen selbst zu ziehen, kannst du in der Natur Unmengen davon finden. Mach dich schlau über essbare Wildkräuter und du wirst sehen, welch reichen Fundus Mutter Natur bietet. Bei einem Spaziergang in der Natur schlägst du damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe… 😊

Gute Grundnahrungsmittel wie Haferflocken, Buchweizen, Hirse, Amaranth etc. kosten nicht wirklich viel und sind meine Nahrungsgrundlage neben (regionalem) Obst und Gemüse, sowie Wildkräuter.

Gluten ist nicht nur sauteuer sondern auch giftig für deinen Darm. Dieses Geld kannst du dir getrost sparen und tust dir damit auch noch was Gutes. (Gluten = Klebereiweis in vielen Getreidesorten, das in den letzten Jahren unnatürlich hoch gezogen wurde, um die Backeigenschaften von Brot und Gebäck zu verbessern. Aber das fluffige Weckerl hat einen hohen Preis, nämlich den deiner Gesundheit. Unser Darm kann mit so viel Gluten nicht umgehen und wird dadurch krank)

Dasselbe gilt für gezuckerte, verarbeitete Produkte. Sie sind teuer und überhaupt nicht notwendig. Setz dich mit einer guten, pflanzenbasierten Ernährung auseinander und ich verspreche dir, du wirst nicht nur gesund sein, sondern auch noch reichlich Kohle dazu haben.

Zahl kein Fitnessstudio, sondern geh in der Natur laufen oder Radfahren, oder Wandern im Schnee … das gefällt auch den Kindern. Statt der teureren Therme fahre ich in die günstigeren Schwimmbäder oder im Sommer an den kostenlosen Badeplatz am See oder im nächsten Fluss. Statt eines Pools haben wir eine alte Badewanne im Garten stehen und den kaputten Wäschetrockner einfach nicht mehr ersetzt.

Statt teure Hotels im Urlaub mit All inklusiv stehen wir mit dem Camper oder dem Zelt (das, um 39,90 vom Hofer/Aldi) gerne in freier Natur oder günstigen Campingplätzen auf Selbstversorger Basis. Das kostet mich einen Bruchteil von dem, und dass was der Durchschnittsösterreicher in 2 Wochen Urlaub ausgibt, brauche ich in 2 Monaten reisen nicht.

Das stellst du dir jämmerlich vor? Dieses reduzierte Leben ist ein leichtes Leben und lässt mich meinen Traum leben. Ich will es leben, damit ich reisen kann, verstehst du? Sehr oft kommt so viel Unverständnis, wie denn Reisen funktionieren kann. Genau so klappt es. Und nicht nur vor der Reise lässt es sich sparen. Ich bin mit den Kids nachdem wir in Bangkok gelandet sind, nicht mit dem (dort ohnehin) günstigen Taxi in die Stadt reingefahren, sondern mit den Öffis! Weil diese eben billiger sind. Das sind aber Abstriche, die ich gerne mache und dadurch artet das auch nicht in Stress aus. Ein günstiges Reiseleben ist eine Einstellungssache, das wollte ich mit diesem Artikel zeigen. Außerdem lernt man dabei weit mehr Einheimische kennen als andersrum. Und um Menschen und Kultur kennen zu lernen, dafür reise ich schließlich.

Nicht immer ist alles SonneSonneschein, das ist auch klar. Mit mehr Geld wäre vieles luxuriöser und deswegen auch leichter. Aber nichts desto trotz ist Reisen eine Entscheidung, und wenn die gefallen ist, finden sich unzählige Möglichkeiten, um das Geld zusammen zu bekommen.

So what, take it easy 🙂

Deine Kerstin

 

4 thoughts on “Der Traum vom Reisen aus finanzieller Sicht

  1. Liebe Kerstin, das hast du toll auf den Punkt gebracht. Und wenn man durch das Ausprobieren dann beginnt dieses Einfachheit wirklich zu lieben…. Wir entscheiden uns selbst, das Glück steht bereits in den Startlöchern und wartet nur auf uns. Es kostet Mut, das Leben zu leben, das man möchte oder besser gesagt, das zu einem passt. Und welches das ist, kann nur jeder selbst fühlen. Und dann gilt „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ Und am Ende, irgendwann, dann will ich sagen …. es war MEIN Leben – Danke!

    • Kerstin says:

      Genau, liebe Silke. Das hast du schön geschrieben 🙂 Ja, Mut, ich finde auch, dass es verdammt viel Mut erfordert. Denn eine jede Entscheidung führt unweigerlich zu Veränderungen. Und die betreffen unser gesamtes Leben. Nach der Reise ist nicht mehr gleich vor der Reise. Und wenn man das schon im Vorhinein weiß… 🙂 Alles Liebe dir!

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